Fördermittel für Software-Projekte 2025: Was KMU nach go-digital wissen müssen

go-digital ist ausgelaufen. MID NRW, BAFA & Co: Welche Fördermittel KMU 2025 für IT-Projekte nutzen können. Die 5 häufigsten Fehler vermeiden.

Fördermittel für Software-Projekte 2025: Was KMU nach go-digital wissen müssen
🆕 Update verfügbar: Dieser Artikel behandelt die Förderlandschaft 2025. Für aktuelle Informationen zu 2026 (inkl. MID NRW Trägerwechsel zur NRW.BANK) lesen Sie: Fördermittel für Software-Projekte 2026

go-digital ist Geschichte. Seit dem 1. Januar 2025 gibt es keine neuen Anträge mehr für das Bundesprogramm, das jahrelang der Goldstandard für geförderte IT-Projekte war. Was bedeutet das für KMU, die ihre Digitalisierung vorantreiben wollen? Und welche Programme gibt es stattdessen?

Auf einen Blick: Der Bund hat sich aus der direkten Investitionsförderung zurückgezogen. Fördermittel für Software-Projekte gibt es jetzt primär auf Länderebene. In NRW ist MID das relevante Programm, mit strengen Compliance-Anforderungen für IT-Dienstleister.

Der Paradigmenwechsel 2025

Die deutsche Förderlandschaft hat sich 2025 fundamental verändert. Während der Bund sich auf reine Beratungsförderung (BAFA) konzentriert, liegt die Investitionsförderung für IT-Projekte jetzt bei den Bundesländern. Das führt zu einem föderalen Flickenteppich: Bayern fördert anders als NRW, Baden-Württemberg hat auf Kredite umgestellt.

Vorher (bis 2024) Jetzt (2025)
go-digital: Beratung + Umsetzung in einem go-digital: Ausgelaufen
Bund finanzierte IT-Investitionen Bund nur noch Beratung (BAFA)
Einheitliche Bundesförderung Länderprogramme mit unterschiedlichen Regeln

Die wichtigsten Programme 2025

MID NRW - Mittelstand Innovativ & Digital

Für Unternehmen in Nordrhein-Westfalen ist MID das zentrale Förderprogramm. Es bietet Gutscheine für Digitalisierung und IT-Sicherheit.

MID NRW auf einen Blick

  • Förderhöhe: Max. 15.000 € Zuschuss (50% Förderquote)
  • Bagatellgrenze: Min. 4.000 € Zuschuss → Projekt muss ≥8.000 € netto kosten
  • Module: MID-Digitalisierung, MID-Digitale Sicherheit (MID-Analyse/-Innovation seit 01.07.2025 eingestellt)
  • Zugang: Losverfahren (monatliche Ziehung)
  • Wichtig: Trägerwechsel zum 01.01.2026 (PtJ → NRW.BANK)

BAFA Beratungsförderung

Das Bundesprogramm "Förderung unternehmerischen Know-hows" fördert nur die Konzeptionsphase, keine Umsetzung. Für die eigentliche Implementierung brauchen Sie andere Mittel.

  • Bis zu 80% Förderquote (je nach Region)
  • Max. 2.800 € Zuschuss pro Beratung
  • Für strategische IT-Beratung, Architektur-Audits, Digitalisierungsstrategien
  • Nicht förderfähig: Programmierung, Software-Kauf, Hardware

Weitere Bundesländer (Kurzübersicht)

Land Programm Status 2025
Bayern Digitalbonus Aktiv, aber ELSTER-Pflicht seit Mai 2025
Baden-Württemberg Digitalisierungsfinanzierung Umstellung auf Kredite (seit Juli 2025)
Niedersachsen Digitalbonus.Niedersachsen Läuft zum 31.12.2025 aus!
Thüringen Digitalbonus Thüringen Budget erschöpft, keine Anträge möglich

Die 5 häufigsten Fehler bei Förderprojekten

1. Vorzeitiger Maßnahmenbeginn - Die "tödliche Falle"

Der mit Abstand häufigste Grund für 100% Förderverlust: Mit dem Projekt beginnen, bevor der Zuwendungsbescheid vorliegt.

Verboten vor Bescheid:
  • Vertragsunterschrift mit dem IT-Dienstleister
  • Auftragserteilung oder Bestellung
  • Erste Workshops oder Anforderungsanalysen
  • Auch nicht "unter Vorbehalt" oder "vorbehaltlich der Förderung"

Lösung: Das Angebot des Dienstleisters muss vor Antragstellung vorliegen. Der Vertrag wird erst nach Erhalt des Bescheids unterschrieben.

2. Weitergabe an Subunternehmer (MID NRW!)

Bei MID NRW gilt ein striktes Weitergabeverbot: "Die Vergabe von Unteraufträgen im Rahmen der Leistungserbringung ist nicht zulässig." Das bedeutet:

  • Agenturen dürfen keine Freelancer für das Projekt einsetzen
  • Die Leistung muss zu 100% durch eigenes Personal erbracht werden
  • Verstöße führen zur Rückforderung der gesamten Förderung

Konsequenz: Die Direktbeauftragung eines Solo-Experten ist oft der einzig rechtssichere Weg.

3. Pauschale Rechnungen ohne Detaillierung

Eine Rechnung mit "Digitalisierungspaket: 15.000 €" wird von Prüfern abgelehnt. Förderfähige Rechnungen müssen enthalten:

  • Projektkennzeichen oder Förderkennzeichen
  • Exakten Leistungszeitraum (nicht nur Rechnungsdatum)
  • Aufschlüsselung nach Stunden, Tagessätzen, Modulen
  • Klare Trennung: förderfähig vs. nicht förderfähig

4. Fehlende technische Dokumentation

Prüfungen erfolgen oft Jahre nach Projektabschluss. Dann zählt nur noch, was dokumentiert ist.

  • Git-Logs: Beweisen kontinuierliche Arbeit im Projektzeitraum
  • Screenshots: Entwicklungsstadien, Vorher/Nachher
  • Abnahmeprotokolle: Mit Datum im Bewilligungszeitraum
  • Aufbewahrung: Mindestens 10 Jahre bei De-minimis-Beihilfen

5. Stundensatz ohne Begründung

Die Marktrealität (IT-Freelancer 2025: durchschnittlich 104 €/h) prallte auf die Behördenlogik (TVöD-Vergleich: 60-80 €/h). Wer 130 €/h ohne Begründung in den Antrag schreibt, riskiert Kürzungen.

Bewährte Argumentationsstrategien:

  1. Effizienz-Nachweis: Senior (130 €/h × 10h = 1.300 €) ist günstiger als Junior (80 €/h × 25h = 2.000 €)
  2. Vergleichsangebote: 3 Angebote auf gleichem Niveau beweisen den Marktpreis
  3. Spezialisierung: Nischentechnologie, Zertifikate, nachweisbare Knappheit
  4. Werkvertrag: Festpreis statt Stundensatz - Behörde kann nicht "zerlegen"

So wählen Sie den richtigen IT-Dienstleister

Für geförderte Projekte gelten besondere Anforderungen an den Dienstleister:

Checkliste: Dienstleister-Auswahl

  • Direktbeauftragung möglich? Bei MID NRW ist Weitergabe verboten
  • Erfahrung mit Förderprojekten? Kennt die Dokumentationsanforderungen
  • Audit-sichere Dokumentation? Git-Logs, Time Sheets, Abnahmeprotokolle
  • Förderkonforme Rechnungsstellung? Leistungszeitraum, Detaillierung
  • EU-Sitz? Bei den meisten Programmen Voraussetzung

Fragen Sie konkret nach: "Haben Sie bereits geförderte Projekte umgesetzt? Wie dokumentieren Sie die Leistungserbringung?"

Typische förderfähige Projekte: Architektur-Audits (BAFA), Legacy-Modernisierung (MID NRW), Digitalisierungsstrategien (BAFA).

Fazit: Förderung ist möglich - aber komplexer

Die Zeiten der "einfachen" Bundesförderung sind vorbei. Wer 2025 Fördermittel für Software-Projekte will, muss:

  • Die Landesprogramme seines Standorts kennen
  • Strenge Compliance-Anforderungen einhalten (besonders bei MID NRW)
  • Einen Dienstleister wählen, der die Dokumentationspflichten versteht
  • Die Chronologie beachten: Angebot → Antrag → Bescheid → Vertrag → Projekt

Die Fördermittel sind da. Aber nur für die, die die Spielregeln kennen.

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